Kolumbus lieh sich ein Schiff, die erste Autovermietung und Arthoteken verleihen Kunst
Die Begriffe „Sharing Economy“ und „Collaborative Consumption“ sind Buzzwords der letzten Jahre. Aber warum eigentlich? Wir Menschen mieten, teilen oder leihen doch schon immer. Oder etwa nicht? Den Homo Sapiens Sapiens, also den modernen Menschen, gibt es seit gut 20.000 Jahren. Zu teilen und sich etwas leihen gehörte über die Jahrtausende hinweg zu vielen Gesellschaften. Lasse dich von Begebenheiten aus der Vergangenheit inspirieren, die zeigen, dass Mieten, Leihen, Teilen eine lange – und sehr spannende – Geschichte hat.
Wie Kolumbus die Santa Maria chartert und so Amerika entdeckt
1492
Viele wissen, dass Christoph Kolumbus Amerika im Jahr 1492 entdeckt hat. Nur wusstest du auch, dass eines der Schiffe, mit denen er zu diesem Abenteuer in See stach, gechartert war? Columbus hatte sich für seine Mission drei Schiffe organisiert: Zwei Schiffe – die Nina und die Pinta – stellte die Stadt Palos zu Verfügung, um Schulden beim spanischen Königspaar Ferdinand und Isabella zu begleichen.

Für das dritte Schiff lieh sich Kolumbus Geld und charterte die Santa Maria von Juan de la Cosa, einem Seefahrer, Kartograf und Entdecker, der die Expedition als Kapitän begleitete. Cosa verursachte auch die Havarie des Schiffes. Sie lief am 25. Dezember 1492 auf eine Sandbank vor der Insel Hispaniola. Ihr Holz wurde für den Bau der ersten Siedlung „La Navidad“ verwendet.
Wie die erste Autovermietung der Welt den Autokauf ankurbelt
15. Januar 1896
Am 15. Januar 1896 gründete der Pariser Automobilclub die erste Autovermietung der Welt. Nicht unbedingt mit dem Ziel sofort das große Geld zu verdienen, sondern um die Menschen mit dem neuen Fortbewegungsmittel vertraut zu machen.
1918 gründete Walter L. Jacobs mit „Rent-a-Ford“ die erste Autovermietung in den USA – und war damit sehr erfolgreich: Er baute seine Flotte innerhalb von 5 Jahren von 12 auf 565 Fahrzeuge aus. Er verkaufte sein Unternehmen an John Hertz, der es in Hertz-Drive-ur-self umbenannte. Noch heute ist Hertz die größte Autovermietung weltweit.

In Deutschland gab es ab 1927 in Hamburg die erste Autovermietung. Die Selbstfahrer Union GmbH bot an 10 Stationen insgesamt 150 Fahrzeuge an. Bereits 1939 gab es in 25 Städten 30 Stationen mit insgesamt 700 Mietwagen. 1974 nannte sich das Unternehmen in InterRent um – heute ist es unter dem Namen Europcar bekannt.
Wie moderne Kunst durch Artotheken in unsere Wohnzimmer gelangt
Seit 1810
Artotheken sind so etwas wie Bibliotheken, nur dass statt Büchern Kunstwerke verliehen werden. Die Idee gibt es bereits seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts – zu dieser Zeit zu einem Kunst- Bücherhandel zu einem Gewerbe. So war es nichts Ungewöhnliches, das eine Buchhandlung einen Kunstverleih mit anbot. Ziel war es dabei Kunst jedem zugänglich zu machen, die Auseinandersetzung mit ihr zu ermöglichen und natürlich den Verkauf der Werke anzuregen. Gegen Ende des Jahrhunderts trennten sich Buchhandel und Kunsthandel voneinander. Dadurch kam der Verleih von Gemälden über diesen Weg vorerst zum Erliegen.
Anfang des 20. Jahrhunderts belebten die Maler Arthur Segal und Robert Erdmann den Verleih von zeitgenössischer Kunst erneut. Besonders in den 20er Jahren kam der Verleih in Schwung und es entstanden Leihstellen in Frankfurt, Berlin und Ulm. Während der Zeit des Nationalsozialismus kam der offizielle Verleih von Kunst zum Erliegen – die sogenannte „Entartete Kunst“ war verboten. Die Künstler erhielten Berufsverbot und viele wanderten aus. Nach dem Krieg konnten sich viele Menschen den Kauf von Kunstwerken nicht leisten. Die Idee sie zu mieten wurde wieder interessant. Eine erste Blüte kam mit dem Kunstkritiker Franz Roh. Er gründete 1952 eine Leihstelle in Berlin – weitere folgten in den Jahren darauf. Mit seinem Tod im Jahr 1965 geriet der Kunstverleih wieder in Vergessenheit und nur wenige seiner Einrichtungen überlebten.
Obwohl die Artotheken so ein auf und ab erlebten, wurde das Konzept nie aufgegeben. Bereits ein paar Jahre später, Ende der 60er Jahre, wurden Artotheken nach ausländischen Vorbildern kopiert. Dieses Mal wurden sie an öffentliche Bibliotheken angegliedert. Diese Symbiose funktioniert bis heute. In Deutschland verleihen wieder rund 130 Artotheken ihre Kunstwerke. Wenn dein Interesse geweckt ist, selbst Kunst zu mieten, besuche die Seite des deutschen Artothekenverbands artothek.org vorbei. Dort findest du alle Artotheken, nach Bundesländern sortiert.
Bilder
- unsplash: Bibliothek in Dublin von Giammarco Boscaro
- Wikipedia: „Nachbau der Santa Maria von Christoph Kolumbus.“ vermutlich von Edward H. Hart.
- unsplash: „Black Vintage Car“ von Andrew Lancaster
Quellen
- Columbus
- “Die wahren Entdecker der neuen Welt” von Tony Horwitz, S. 76, Piper Verlag (2010)
- Wikipedia: Santa Maria
- Die erste Autovermietung
- www.wasistwas.de: Die erste Autovermietung: Motorkutschen für alle
- Artotheken
- Geschichte des Deutschen Buchhandels im 19. Und 20. Jahrhundert, Part 2, De Gryter, 2012
- Wikipedia: Artothek
- Manager Magazin: Artotheken: Rent a Warhol von Sarah J. Tschernigow
